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TALKING FASHION

LIA UND VALERIE AUS „ELDORADO KADEWE – JETZT IST UNSERE ZEIT“ IM INTERVIEW

Lia von Blarer und Valerie Stoll überzeugen in der packenden Mini-Serie „Eldorado KaDeWe – Jetzt ist unsere Zeit“. Im exklusiven Foto-Shooting zeigen sich die Hauptdarstellerinnen von einer anderen Seite und sprechen über unvergessliche Momente am Set, die 20er-Jahre und Herausforderungen, denen junge Frauen heute gegenüberstehen.

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LIA VON BLARER

Frau von Blarer, in der ARD-Produktion „Eldorado KaDeWe – Jetzt ist unsere Zeit" spielen Sie die Rolle der Fritzi. Sie ist die Tochter des Inhabers und eine sehr starke Persönlichkeit, die sich nicht in bürgerliche Bahnen zwängen lässt. Was bewundern Sie an ihr besonders?

Lia von Blarer: Ihre Klarheit zu sich selbst. Fritzi weiß sehr genau, was sie will und wer sie ist. Und sie findet trotz aller Hindernisse immer zu sich selbst zurück.

Frau Stoll, was fasziniert Sie an der Rolle der Hedi?

Valerie Stoll: Sie ist eine junge Frau, die aus einfachen Verhältnissen stammt. Hedi lernt sehr früh, Verantwortung zu übernehmen und für ihre Familie zu sorgen. Daher hat sie eine gewisse Reife und Abgeklärtheit. Gleichzeitig holt sie sich aber ihre Jugend und ihre Kraft auf charmante Weise zurück. Dabei kann sie sehr berechnend sein. Man nimmt es ihr aber nicht übel. Ich schätze sehr, wie sie es schafft mit dieser Leichtigkeit durch die damalige männerdominierte Welt zu gehen. Außerdem fasziniert mich auch ihr Hingabe für schöne Dinge. Hedi erforscht die Welt mit all ihren Sinnen. Sie ist ein von Neugier getriebener Mensch und nimmt alles mit, was sich an Vergnügen bietet. Wahrscheinlich ist auch deswegen ihre Liebe zu Fritzi so leidenschaftlich. Und das ist es wohl, was ich am meisten beneide. Wer sehnt sich nicht nach dieser bedingungslosen Liebe, die uns diese beiden Frauen vorleben?

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Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Mit den 1920er-Jahren verbinde ich…

Lia von Blarer: Eine aufkeimende gesellschaftliche Offenheit gegenüber unterschiedlichen Lebensentwürfen. Diese zwischenmenschlichen Feinheiten und die Neugierde wurden dann nach einem knappen Jahrzehnt vom Nationalsozialismus zerschlagen.

Valerie Stoll: Fortschritt und gesellschaftliche Spaltung zugleich. Ich finde, man muss vorsichtig sein, dass man diese Zeit nicht glorifiziert.

Das neue TV-Serien-Epos: Alle Infos zu „Eldorado KaDeWe – Jetzt ist unsere Zeit“

Warum sollte man sich die Serie nicht entgehen lassen?

Lia von Blarer: „Eldorado KaDeWe - Jetzt ist unsere Zeit“ ist ein emotionaler Ritt, der einem auch die Weimarer Republik vor hundert Jahren näherbringt. Zu begreifen, wie vielfältig wir als Gesellschaft schon damals waren, wirft einen kritischen Blick auf heute: Sind wir tatsächlich so fortschrittlich wie wir gerne meinen?

Valerie Stoll: Die Serie schafft es, modern und emotional die Geschichte um vier junge Menschen in einer sehr spannenden Zeit zu erzählen, deren Lebenswege sich unter dem Dach des legendären Berliner Kaufhauses KaDeWe kreuzen. Teilweise frei erfunden, teilweise angelehnt an wahre Begebenheiten. Doch es wird nicht nur das Schicksal des KaDeWe, sondern auch des queeren Nachtclubs Eldorado in Zeiten des Umbruchs gezeigt. Dabei schafft es die Regisseurin Julia von Heinz, die Themen Feminismus, LGBTQIA+, Antisemitismus, Inklusion und Diversität so zu verweben, dass gleichzeitig, auch visuell, immer eine Brücke ins Jetzt geschlagen wird. Denn es finden sich politisch wie gesellschaftlich viele Parallelen aus den 20er-Jahren zu unserer heutigen Zeit. Abgesehen davon werden meiner Meinung nach alle Charaktere auch sehr fein erzählt und gespielt. Generell steckt in der Serie sehr viel Herzblut und Liebe und ich bin überzeugt, dass man das auch sieht.

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VALERIE STOLL

Welche Momente am Set werden Sie nie vergessen?

Valerie Stoll: Ich liebe den Moment, wenn man inmitten der Dreharbeiten kurz innehält und bemerkt, wie eingespielt das Filmteam ist. Menschen, die man vor kurzem noch gar nicht kannte, werden plötzlich zu Bezugspersonen. Gerade in Ungarn war es schön, zu beobachten wie alle – trotz Sprachbarrieren und unterschiedlichen Mentalitäten – versuchten, mit Witz und Passion dasselbe Ziel zu verwirklichen. Man wird immer mehr zu einem Team, das gemeinsam diese Welt „Eldorado KaDeWe“ aufbaut und versucht, jede Herausforderung zu bewältigen. Es berührt mich sehr, diese lesbische Liebesgeschichte gerade dort gedreht zu haben, wenn man bedenkt, wie es um die LGBTQ-Rechte in Ungarn aktuell steht. Wenn ich an die Zeit zurückdenke, verspüre ich eine große Dankbarkeit für den Einsatz, Respekt, Halt aber auch Humor am Set.

Lia von Blarer: Der Moment, als ich nachts aus dem dritten Stock geklettert bin und kurz davor noch dachte, das wäre ein Witz. Ich hatte einfach vergessen, dass wir an dem Tag noch einen Stunt drehen. Als mir dann der Stunt-Koordinator vorgestellt wurde, begriff ich erst, dass ich das gleich spielen und aus dem Fenster klettern werde. Aber selbst so ein archaisches Gefühl wie Höhenangst wird zum Spielimpuls – plötzlich habe ich meine Angst im Griff und kann sie mir zunutze machen.

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Was ist an Berlin besonders faszinierend?

Valerie Stoll: Berlin ist mein Zuhause und so ausgelutscht das auch klingt: Ich liebe die Stadt für ihre Vielfalt. Auch für das Chaos und die Anonymität. Doch ich ertrage den Winter hier nicht. Jedes Jahr aufs Neue ärgere ich mich über mich selbst, dass ich nicht wegfahre.

Lia von Blarer: Dass sich die Stadt in einem ewigen Wandel befindet – und sich Berlin trotzdem immer wieder wie ein Dorf anfühlt!

Was ist für junge Frauen heutzutage leichter als für die Protagonistinnen von „Eldorado KaDeWe – Jetzt ist unsere Zeit“ – und was vielleicht schwieriger?

Valerie Stoll: Heute können wir junge Frauen in Berlin selbstbestimmter handeln, wir sind unabhängiger und wir können hier unsere Sexualität offen ausleben im Gegensatz zu den 20ern, wo das nach meiner Einschätzung nur im Verborgenen stattfand. Heutzutage rückt mit der Liberalisierung bestimmter Gesellschaftsordnungen immer mehr die Frage nach der Zugehörigkeit in den Vordergrund. Wie definiere ich mich, wo gehöre ich dazu, wo will ich hin? Während Hedi konkrete Erwartungen an ihren Lebensweg hat, suchen Frauen gerade heute neu ihren Platz in dieser Welt. Die Wahl zu haben ist sicher ein Privileg, aber es ist für viele natürlich auch eine Herausforderung. Zudem habe ich das Gefühl, dass heute eine extremere Kommerzialisierung des Geschlechts stattfindet. Es wird in der Außendarstellung immer noch auf Werte gesetzt, die scheinbar am meisten ziehen und das sind Oberflächlichkeiten. Es werden Ideale propagiert, die extrem sexualisiert sind und ein normaler Mensch nicht erfüllen kann und sollte.

Lia von Blarer: Allein die Möglichkeit, als Frau einen bezahlten Beruf auszuüben, ist heute selbstverständlicher als vor hundert Jahren. Wie aber Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen sind, werden Frauen weiterhin häufiger gefragt als Männer. Auch die unentgeltliche Care-Arbeit wird noch immer größtenteils von Frauen ausgeführt. Das wird schnell vergessen in der Meinung, nun endlich gleichberechtigt zu sein. Wir haben diesbezüglich noch immer eine Menge Arbeit vor uns.

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