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Aufgeblasen

Wattejacken, sogenannte Puffer Jackets, waren das stilprägende Kleidungsstück der Achtziger. Jetzt haben sie ihr Comeback – noch leichter, noch poppiger.

Wenn der Wind kühler bläst, sieht man sie wieder auf den Straßen: wattierte Jacken mit segmentierten Polstern. Wattejacken, Steppjacken, Puffer Jackets, ob in New York, Berlin oder Tokio, kein Weg führt an
ihnen vorbei. Sie gehören inzwischen in jede winterliche Garderobe wie Handschuhe und Schal, werden auf Laufstegen getragen, die Marke Ienki Ienki interpretiert sie als knielange Mäntel.

Lange Zeit hatten die ursprünglich als Ski-Utensilien produzierten Stücke als ein rein italienisches Phänomen gegolten. Mitte der Achtzigerjahre erreichten sie zum ersten Mal die Modeszene. Im Mailänder Herbst flanierten Teenager mit bunten Wattejacken, Jeans und Wildlederstiefeln durch das Zentrum. Moncler, Levi’s, Timberland, das waren ihre Marken, Frankie Goes to Hollywood, Duran Duran, Spandau Ballet ihre Helden. Meist besuchten sie eine Privatschule, lehnten die italienische Musikkultur ab und weigerten sich, eine politische Haltung einzunehmen. In Deutschland hätte man sie Popper genannt, in England vielleicht Snobs, in Italien taufte die Presse sie Paninari. Der Grund: die Vorliebe dieser Kids für Sandwiches, amerikanische Panini. Die Pet Shop Boys widmeten ihnen einen eigenen Song, die New York Times schrieb über sie.

Doch die wattierten Jacken, die von den Paninari gerne auf ihren Vespas getragen wurden, hatten einen Nachteil. Wenn es regnete, sogen sie sich voll und verwandelten sich in schweren Ballast. Wie cool bitte war ein Paninaro, der in der Disco erst einmal die Jacke zum Trocknen aufhängen musste?

Mit dem vorläufigen Untergang der Schulterpolsterkultur verschwanden auch die Puffer Jackets in der Rumpelkammer der Geschichte. Beinahe zwei Jahrzehnte vergingen, ehe sie erneut auftauchten. Und zwar wieder in Mailand. Die Traditionsfirma Moncler begann damals mit einer Neuinterpretation ihres Vorzeigemodells. Inzwischen war die Technologie allerdings so weit fortgeschritten, dass neue wasserabweisende Materialien den Tragekomfort verbesserten. Man holte Designer wie Thom Browne ins Boot, um eine trendscharfe Zielgruppe anzusprechen. Das eherne Gesetz der Mode bewahrheitete sich einmal mehr: lange verpönt, nun heiß begehrt.

Hinzu kam auch die Feminisierung der Jacken. Die Entwürfe erhielten weichere Silhouetten. Sie plusterten sich nicht mehr so auf wie früher, verloren den Anschein einer potenziell testosterongesteuerten Revolution. Die Jacke als Panzer, den man sich zulegte – diese Zeit schien vorbei. Puffer Jackets lagen jetzt enger am Körper und betonten die Taille. Angenehmer
Nebeneffekt: Sie sahen eleganter aus. Heute kommt endgültig niemand mehr um sie herum. In allen denkbaren Varianten ist die Puffer Jacket zu sehen, matt oder glänzend, in tiefem Schwarz oder knalligem Neongelb, mit dickem Bund, paspeliert. Die Wattejacke ist demokratisch geworden. Im Jargon der Paninari: Sie ist Pop.