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»MEINE ARBEIT ÄHNELT DER EINES REGISSEURS«

Sander Lak liebte das Kino, bevor er die Liebe zur Mode entdeckte. Zwischen den Kreativprozessen der Film- und Fashion-Branche sieht er Parallelen – auch mit Blick auf sein junges Label Sies Marjan.

Sies Marjan ist in allen Garderoben. Das farbenfreudige Label aus New York existiert erst zwei Jahre, hat aber schon die ganz Großen auf seiner Seite. Beyoncé und Emma Stone tragen die Entwürfe, Anna Wintour sitzt zur Fashion Week in der ersten Reihe. Nun tritt allmählich auch der Mann dahinter ins Rampenlicht: Modeschöpfer Sander Lak, ein 35 Jahre junger Niederländer.

Mr. Lak, was treibt Sie an?
Meine absolute Leidenschaft für Mode.

Was hat Sie zum Modedesign gebracht?
Was ich alles entdecken konnte. Mich hat es fasziniert, wie unterschiedlich etwas so Simples wie eine Hosentasche sein konnte, wie verschieden sich Stoffe anfühlten. Dass es bei einer Hose oder einem Hemd manchmal Reißverschlüsse gab, manchmal Knöpfe, dass jedes Detail etwas aussagte. Erst später habe ich Menswear von Versace, Raf Simons und Helmut Lang kennengelernt und verstanden, dass man damit eine Geschichte erzählen kann.

Was sagt Ihre Kleidung über Sie aus?
Ich weiß nicht, Kleider sollten nie die Geschichte einer Person abbilden, höchstens ihren Teil dazu beitragen. Ein Mensch trägt das Kleidungsstück, nicht umgekehrt. Meine Kleider erzählen hoffentlich eine sensible und persönliche Geschichte. Selbst wenn Material und Farbe schreiend daherkommen, fühlen sie sich intim an. Ohne eine Beziehung zwischen Designer und Entwurf entstehen leere Produkte, und das merken Menschen sofort.

Einige Modedesigner erlernten ihr Handwerk, indem sie die Garderobe ihrer Mütter durchstöberten. Wie haben Sie Ihr Gespür für Gestaltung geschärft?
Meine Mutter war eine leidenschaftliche Anhängerin guten Modedesigns. Sie konnte jahrelang auf einen Yamamoto­-Mantel spa­ren. Diese Haltung habe ich erst spät in meiner Jugend begriffen. Vorher begeisterte ich mich für Filmfiguren, zeichnete Monster und Außerirdische. Das krea­tive Element gab es also schon. Es hat mich auf meinen späteren Beruf vorbereitet.

Als Sie sich am renommierten Central Saint Martins in London bewarben, wurden Sie mit folgenden Worten angenommen: Ihre Arbeit ist Mist, aber Ihr Name fabelhaft.
Das war eines der typisch harschen Urteile von Louise Wilson, die damals die Design­abteilung der Schule leitete. Zu meiner Verteidigung: Sie sagte solche Sachen nur zu Personen, deren Arbeit ihr gefiel. Ihre Taktik bestand darin, die Studenten erst einmal zurechtzustutzen und dann von Null an wieder aufzupäppeln – damit sie besser als zuvor dastanden. Ich stamme aus einer kinderreichen Familie und habe mehrere Brüder, deshalb hat mir diese Strategie gar nichts ausgemacht. Ich brauche niemanden, der meine Hand hält und mir sagt, dass ich perfekt bin.

Jahrelang haben Sie für andere Marken gearbeitet, unter anderem Dries Van Noten. In Ihrer ersten Kollektion 2015 verwendeten Sie viel Farbe – und das für einen Markt, der damals Schwarz und Grau favorisierte. Was bedeuten Ihnen Farben?
Seit ich am Central Saint Martins College anfing, waren sie mir in der Arbeit wichtig. Schauen Sie sich meine Abschlussarbeit an! Das ist eine einzige Studie über die Farbe Blau. Der Umgang mit Farben liegt mir, er fühlt sich sehr natürlich an. Und wie hat schon Louise Wilson gesagt: Bleib bei dem, worin du gut bist.

Fragen Sie sich manchmal, ob Ihre Mode »Instagram-fähig« ist?
Natürlich. Nicht, dass diese Frage meine Entscheidungen diktiert, aber ich denke schon darüber nach, ob ein Entwurf auf dem kleinen Screen eines Instagram-Kontos gut aussieht. Am Ende entwerfe ich jedoch für echte Menschen, nicht für digitale Kanäle.

Sie waren und sind begeisterter Kinofan. Hat der Designprozess Gemeinsamkeiten mit einem Filmdreh?
Meine Arbeit als Modeschöpfer ähnelt der eines Regisseurs. Wir haben die Vision, die Vorstellung, wie etwas am Ende aussehen soll, und ein Team von Experten um uns, die in verschiedenen Abteilungen an der Ausführung arbeiten. Das Endergebnis ist unterschiedlich, der Prozess ziemlich ähnlich.

Wenn Sie mit einem Regisseur arbeiten könnten, wer wäre die erste Wahl?
Ganz klar Stanley Kubrick, wenn er noch am Leben wäre. Für mich ist er der beste Regisseur aller Zeiten.