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FOKUS

NATURWEIN

Überall bekommt man gerade Naturwein gereicht.
Dabei ist der Trend viel älter, als man denkt

Der Weg des Naturweins ins öffentliche Bewusstsein führte über die Gastronomie. Geebnet wurde er von ehrgeizigen Sommeliers, die stets bestrebt sind, ihren Gästen etwas Neues einzuschenken. Weine aus exotischen Anbaugebieten zum Beispiel, mit einer ungewöhnlichen Note oder produziert von winzigen Weingütern. Dass auch Naturweine irgendwann ihren großen Auftritt bekommen würden, war nur eine Frage der Zeit. Inzwischen hat jedes Restaurant, das etwas auf sich hält, ein paar Naturweine im Angebot. Und wer sie nicht von sich aus bestellt, bekommt sie bestimmt im Zuge einer Weinbegleitung gereicht.

Zu den eher undurchschaubaren Aspekten von Naturweinen zählt dabei nicht nur ihre natürliche Trübung. Sondern auch, dass niemand so genau weiß, was Naturwein eigentlich ist. Der Name verspricht Reinheit, Ursprünglichkeit und eine gewisse Besinnung aufs Wesentliche: den Geist des Weins in seiner unverdorbenen Essenz, handgemacht von richtigen Menschen und keine Massenware aus der Fabrik.

Ein alter Begriff

Der Begriff ist eng mit der Lebensreformbewegung verbunden, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland und der Schweiz entstand, als Kritik an der Industrialisierung und den Zumutungen des Materialismus. Im Weinrecht von 1930 definierte man Naturwein dann als einen »Wein, dem irgendwelche andere Stoffe, als sie zur Kellerbehandlung notwendig sind, nicht zugesetzt worden sind«. Anders als heute hielt man den Zusatz von Schwefel damals allerdings für unabdingbar.

Ende der 1960er-Jahre wurde der Begriff Naturwein durch Prädikatswein ersetzt, wobei mittlerweile niemand mehr auf die Idee kommen würde, einen Prädikatswein mit einem Naturwein gleichzusetzen.

SPONTAN VERGOREN

Sollten die Reben also biologisch oder biologisch-dynamisch angebaut sein, wenn es heute um Naturwein geht? Welche Hilfsmittel sind erlaubt? Und wie verhält es sich eigentlich mit dem Schwefel? Die Antwort von Mathias Alexander Klotz, dem Junior Buyer Wine des KaDeWe, lautet: »Naturwein sollte spontan vergoren sein. Weinzuchthefen sollten keine Rolle spielen. Er sollte ungefiltert sein. Und der Einsatz von Schwefel, wenn überhaupt, minimal.« Besonderen Gefallen findet Klotz an Naturweinen, die in Amphoren, also bauchigen Tongefäßen, reifen.

Ein Aspekt, der allerdings nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist. Das portugiesische Weingut Herdade do Rocim war so freundlich, seinen roten Naturwein aus der Amphore passend »Amphora« zu nennen.

Ursprüngliche Verfahren

Die Familie Melsheimer wiederum baut seit Generationen Wein in Reil an der Mosel an und hat nicht nur die wunderbaren Rieslinge »Vade Retro« und »Molun« im Programm, sondern auch den Schaumwein »Rurale«, benannt nach dem alten Verfahren zur Schaumweinherstellung, »Méthode rurale«. Bei dem tollen Sekt »Brut vom Steil« vom Weingut Solveigs kam das Verfahren »Méthode ancestrale« zum Einsatz, das je nach Blickwinkel noch ursprünglicher oder noch traditioneller ist.

Bei all dem, sagt Klotz, sollte man eines nicht aus den Augen verlieren: »Auch ein Naturwein sollte in erster Linie ein guter Wein sein, den drei Dinge charakterisieren: der Boden, das Klima und die Menschen, die ihn produziert haben.« Das stehe bei allen guten Weinen im Vordergrund.