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FASHION

FOKUS

Dekadenz und Daunen.
Im Osten viel Neues

Seit Vetements hat die osteuropäische Mode einen Lauf. Zwar ist der georgische Labelgründer Demna Gvasalia in Düsseldorf aufgewachsen (und leitet mit Balenciaga inzwischen ein Pariser Couture-Haus).
Doch seine riesigen Kapuzenpullover, Ledermäntel und Rave-Reminiszenzen galten schnell als Ausdruck einer neuen Postsowjet-Ästhetik. Seitdem treten immer mehr Labels aus dem Osten ins Rampenlicht. Und längst nicht alle stehen für tiefkühlcoole Streetwear.

In Warschau, wo vergangenes Jahr die erste polnische Vogue erschien (mit Polens Supermodels Anja Rubik und Małgosia Bela auf dem Titel), betreibt zum Beispiel Magda Butrym ihr international erfolgreiches Luxuslabel. Georgien und die Ukraine gelten als Doppelspitze der Avantgardemode. Die Tifliser Fashion Week lockt internationale Besucher an, weil Kunstszene, Clubs und Subkultur dort junge, experimentierfreudige Labels hervorbringen. Das von Aleksandre Akhalkatsishvili etwa, der hoch taillierte Hosen und Kleider im Glam-Stil der siebziger Jahre schneidert. Gemeinsam mit Lado Bokuchava verantwortet er zusätzlich das Label Matériel Tbilisi. Dessen Faux-Lederhosen hängen im Kleiderschrank von Hailey Bieber. Ihre Freundin Bella Hadid trägt Daunenjacken aus Kiew, die der Designer Dmitriy Ievenko für sein Label Ienki Ienki entwirft. Man­cherorts heißt es schon, die Osteuropäer würden dem skandinavischen Minimalismus den Rang ablaufen.

Nanushka

Die Designerin Sandra Sandor verbindet in Budapest Modernismus und nostalgische Dekadenz. Luftige Satin-Tops treffen auf Vinyl und Mäntel aus veganem Leder. Ihre Winterkollektion ist inspiriert vom Interieur der Siebziger – und enthält entsprechend viel Beige.

@Nanushka

Áeron

Eszter Áron stammt aus Ungarn, ihre Familie stellt dort schon seit Generationen Mode her. Vor acht Jahren gründete sie ihr eigenes Label (in dessen Namen sie ein Extra-E untergebracht hat). Sie entwirft minimalistisch, Ledertuniken und strukturierte Kleider etwa.

@aeronstudio

Das liegt auch an den guten Produktionsbedingungen. Gefertigt wird vor Ort. Früher haben westliche Luxusmarken in Osteuropa nähen und sticken lassen, noch immer gibt es zahlreiche Fabriken und kunstfertige Schneider. Darum können viele neue Labels Designstücke zu guten Preisen anbieten. In Budapest, wo alter Glanz und historische Gebäude das Stadtbild prägen, setzt man auf elegante Schnitte. Das Label Áeron entwirft Seidenkleider und minimalistische Taschen und will damit für Ungarn stehen wie Acne für Schweden. Auch Sandra Sandor von Nanushka ist in Budapest verwurzelt. Ihre Mode könnte aber auch gut aus Los Angeles stammen. Sie verarbeitet veganes Leder und Satin zu modernen Mänteln und Slipkleidern. Ein Prise Nostalgie erlaubt sie sich trotzdem.

Matériel Tbilisi

Die georgische Marke arbeitet mit jungen Modedesignern, gerade entwerfen Aleksandre Akhalkatsishvili und Lado Bokuchava für Matériel Tbilisi. Etwa knöchellange Kleider mit cleveren Raffungen und Mäntel aus Faux-Leder, auf denen fluoreszierende Streifen schimmern.

@materieltbilisi

Ienki Ienki

Daunenjacken sind die Spezialität von Ienki Ienki (benannt nach einer sibirischen Volksgruppe, ausgesprochen: Jenki Jenki). Der Kiewer Dmitriy Ievenko gründete das Label 2016. Seine kugeligen Jacken mit extragroßen Kapuzen tragen Bella Hadid und Julianne Moore.

@ienki_ienki