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Ein junges Label will nach ganz oben. Attico ist das ambitionierte Projekt zweier Italienerinnen, die Kleider und Roben entwerfen. Doch wie entwickelt man zu zweit einen Stil?

INTERVIEW ULF LIPPITZ

Wenn der Norden auf den Süden Italiens trifft, prallt Rationalität auf Hedonismus – die größte denkbare Reibung innerhalb eines Landes. Manchmal aber, man erinnere sich an Süditaliener in Mailand wie Gianni Versace, entsteht etwas Einzigartiges daraus. Der Erfolg von Giorgia Tordini und Gilda Ambrosio zum Beispiel erklärt sich gerade mit ihrer Gegensätzlichkeit. Tordini stammt aus Mailand, Ambrosio aus Neapel. Zunächst traten beide als Stilikonen in den sozialen Netzwerken auf, seit zwei Jahren nutzen sie ihr Händchen für sinnliche Dekadenz, um eigene Mode zu entwerfen. Sie streben den Sprung in die höchste Liga an, gewissermaßen die oberste Etage der Modehäuser. Ihr Label trägt deshalb den italienischen Namen für Penthouse: Attico.

Signora Tordini, Ihr Vater war Schuhdesigner in Mailand. Was haben Sie von ihm gelernt?
Tordini: Er hat mir den Sinn für Ästhetik und Schönheit vererbt, auch wenn seine berufliche Expertise stark auf Schuhwerk beschränkt war.
Signora Ambrosio, Ihnen hat Ihre Großmutter aus Neapel angeblich einige Schönheitstricks mitgegeben.
Ambrosio: Sie ist meine Geheimwaffe in Stilangelegenheiten. Sie hat mir beigebracht,

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dass man Grenzen ausloten muss und niemals Angst vor Risiken haben darf.
Ihre Prägungen sind ziemlich unterschiedlich. Wie macht sich das bemerkbar?
Ambrosio: Giorgia sucht immer nach minimalistischen und eher maßgeschneiderten Kleidungsstücken …
Tordini: … und Gilda traut sich mehr. Sie hat Spaß daran, Stile zu vermischen. Wenn wir eine neue Kollektion angehen, ist es dieses Yin und Yang, das am Ende zu einer eigenen Ästhetik führt.
Ist es nur ein Klischee, oder zelebrieren Sie den Aufprall von Nord- und Süditalien geradezu?
Tordini: Wir haben natürlich sehr unterschiedliche Auffassungen davon, was man wie tragen kann. Manchmal passiert es, dass wir das Outfit der anderen gar nicht mögen, aber andererseits macht uns gerade diese Anders- artigkeit stärker in unserem Auftreten und ermöglicht uns, mehr Frauen anzusprechen.
Bevor Sie Attico gründeten, waren Sie in Italien für Ihren Streetstyle bekannt. Wie bekamen Sie die Aufmerksamkeit der Modewelt?
Ambrosio: Wir haben jahrelang als Stylistinnen und Beraterinnen für verschiedene Marken gearbeitet. Das half uns, zu Modenschauen eingeladen zu werden – und dort wahrgenommen zu werden. Wir

hatten aber keinen Masterplan, wie wir Aufmerksamkeit generieren. Das geschah auf natürliche Art und Weise. Heute konzentrieren wir uns darauf, wir selbst zu sein, und tragen Kleidung, in der wir uns wohlfühlen.
Wann wurde der Wunsch, Kleider zu entwerfen, größer als der, einen Look zu stylen?
Ambrosio: Als wir feststellten, dass es eine Marktlücke gab, und zwar für einen gewissen Stil, nach dem wir bei anderen Marken oft vergeblich suchten: feminin, von Vintage-Kleidung inspiriert und von Lebensfreude und Mühelosigkeit geprägt.
Die Frauen bei Fellini, die Kurven der Bellucci … Sie fasziniert die Idee der lasziven italienischen Frau.
Ambrosio: Weil Mode für sie enorm wichtig ist. Was auch geschieht, die Italienerin will immer gut aussehen.
Was ist Ihnen wichtig, um das mit einer Kollektion zu erreichen?
Tordini: Farben. Sie sind fester Bestandteil des Kosmos von Attico. Die Marke soll verspielt sein, es heißt schließlich »Girls just want to have fun«, und das geht ohne Farben überhaupt nicht. Außerdem arbeiten wir oft mit Samt. Dieser Stoff begleitet uns seit unserer ersten Kollektion und ist inzwischen eine Art Markenzeichen von uns geworden.